Zusammenbau

Für den Zusammenbau der vorgefertigten Teile und die Fertigstellung der Jacht ist ein größerer Raum notwendig. Er sollte wenigstens 2 m breiter sein als das Boot und 2-3 m länger; für die Lisoletta 910 also ca. 4,5 x 12m. Eventuell kann man die Helling diagonal aufstellen, wenn die Raumlänge knapp ist; aber nicht vergessen, daß man das fertige Boot aus der Halle herausbringen muß! Wenn man im Winter bauen will, muß der Raum beheizbar sein. Epoxyd sollte zur Aushärtung etwa 20°C haben, sonst dauert es zu lange (siehe Produktinformationen). Im Sommer könnte auch ein Provisorium mit einem Dach gegen Regen genügen. Man sollte aber die Raumfrage schon bei der Planung klären. Ein Provisorium in der Nähe der Wohnung ist besser als eine perfekte Werkstatt in weiter Feme.

Die Helling ist das Fundament, welches stabil und fest stehen muß. Sie besteht in der Hauptsache aus einem starken Balken von 20 cm Breite und 15-25 cm Höhe und soll etwas länger sein als das Boot. Gut ist älteres Holz, das nicht mehr arbeitet und sich nicht während der Arbeit verzieht. Wenn man Glück hat, kann man bei einem Zimmermann oder einem Sägewerk fündig werden. Falls die Länge nicht ausreicht, werden zwei Längen durch starke Laschen verbunden. Die Helling kann auch als Kastenträger gefertigt werden. Von einer Tischlerplatte werden 20-30 cm breite Streifen abgesägt und zu einem langen Kasten verleimt. Da es keine Tischlerplatten in der notwendigen Länge gibt, müssen jeweils zwei Streifen mit einer Lasche verbunden werden. Der Stoß muß versetzt sein.

Unter dem Balken oder Längsträger werden rechtwinklig Vierkanthölzer im Querschnitt von etwa 8 x 10 cm geschraubt, die bei einer Länge von 2,0 m auf jeder Seite 85-90 cm überstehen. Die Abstände der Querhölzer sind aus der Zeichnung zu entnehmen. Sie müssen auf dem Balken genau markiert werden, denn an ihnen werden später die Stützen angeschraubt, welche den Schotten beim Zusammenbau den Halt geben und sie in der Waagerechten festhalten.

Wenn der Raum es zuläßt, sollten die Schotten mit einem "Esel" fixiert werden. Das ist ein Rundstamm von etwa 8-15 cm Dicke, der über der Schiffsmitte an der Decke oder den Dachbalken festgeschraubt wird. An den Esel werden Latten genagelt, welche dann mit der Außenseite der Schotten verbunden werden.

Darstellung 6 - Spantaufbau auf der Helling

Die Helling muß sorgfältig ausgerichtet werden, in der Querrichtung mit der Wasserwaage, in der Längsrichtung mit einer Schlauchwaage. Dies ist ein durchsichtiger Plastikschlauch, der fast ganz mit Wasser gefüllt wird. Man arbeitet am besten zu zweit: Der Eine hält den Schlauch mit dem Wasserstand an die Balkenoberkante, der Zweite kann mit dem anderen Ende alle Punkte kontrollieren, die in gleicher Höhe liegen sollen. Differenzen müssen durch Unterlagen ausgeglichen werden.

Wenn die Werkhalle einen ebenen Boden hat, kann man auf den Hellingbalken verzichten; dann müssen die Querhölzer mit Dübelschrauben befestigt oder durch Latten miteinander verbunden werden.

An den Querhölzern werden an der Unterseite bei den Enden und in der Mitte Klötzer befestigt. Die Mittelhölzer sind auf beiden Seiten 2-3 cm schmaler, damit man mit Zwingen unterfassen kann. Danach werden die Abstandskeile in der Breite des Innenkiels auf den Balken geschraubt. Die höheren Klötzer werden mit seitlichen Laschen befestigt. Die verschiedenen Höhen sind der Aufmaßtabelle zu entnehmen, die Abstände sind aus der Zeichnung zu ersehen.

Die Stärke der Außenhaut können wir hierbei vernachlässigen, da sie an allen Stellen gleich dick ist. Eine lange Straklatte wird seitlich an der Mallkante der Keile befestigt und die Oberkante derselben dem Strak entsprechend abgeschrägt. Der Innenkiel erhält durch die Auflagen auf diesen Keilen und in der Mitte auf dem Hellingbalken seinen Kielsprung. Man muß beachten, daß die Unterkante des Innenkiels ab Schott VIII vom stärker ansteigt als die Außenkontur des Rumpfes. Dies hängt mit der Stärke des Aufleimers zusammen, der nach dem Planken aufgeklebt wird.

Der Innenkiel ist das Rückgrat der Jacht, die Bodenwrangen sind die Rippen, die aus ihm herauswachsen. Er besteht im vorderen Teil aus drei Lagen Sipo-Mahagoni im Querschnitt 200 x 15 mm, im hinteren Teil ab Schott III aus zwei Lagen. Die obere und die untere Lage sind durchgehend, die mittlere läuft von Schott IV Schott III örmig auf Null aus und ist an einigen Stellen von den Bodenwrangen unterbrochen. Die mittlere Lage besteht aus Macore- oder Sipo-Sperrholz. Sie wird aus mehreren Schichten zu 15 mm Stärke verleimt. Der Innenkiel wird damit abgesperrt, damit er sich nicht verziehen kann, und zwar auf der Unterseite durch die Außenhaut, in der Mitte durch die Sperrholz-Zwischenlage und oben durch den Kajütboden.

Da man Mahagoniplanken in der ganzen Länge des Innenkiels kaum bekommen wird, müssen zwei Teile geschäftet werden. Das macht man folgendermaßen: Von beiden Enden wird je eine Seite rechtwinklig abgesägt. Dann werden die Teile auf einen Tisch an der Kante übereinander gelegt, wobei die untere Lage 15 cm vorsteht. Bei der oberen wird im Abstand von 15 cm ein Strich gezogen. Die Ecken werden abgehobelt, bis eine gleichmäßig schräge Fläche von der unteren Kante bis zum oberen Strich verläuft.

Wenn man den oberen Teil umschlägt, müssen die Schnittstellen aufeinander passen und können verleimt werden. Der vordere Teil des Kiels verjüngt sich von Schott VIII X der Breite von 20 auf 8 cm. Man legt nun eine der Planken auf die Abstandskeile der Helling und spannt sie mit Zwingen zwischen Schott IV und V auf den Balken.

Dann müssen die Bodenwrangen angepaßt werden.

Die Bodenwrangen kreuzen den Kiel, verbinden die beiden Seiten der Schotten miteinander und leiten die Kräfte des Kiels auf diese sowie die Stringer und die Außenhaut ab.

An den Kreuzungsstellen von Schott III bis Schott V wird die mittlere Lage des Innenkiels von den Bodenwrangen unterbrochen. Sie füllt die Zwischenräume von einer Bodenwrange zur anderen aus.

Beim Spiegel, den Schotten I II VIII-XI greifen die Bodenwrangen über den Kielausschnitt hinaus, bei Schott V VII sie auf einer Ebene und dienen als Auflage für die Bodenbretter.

Die Form der Bodenwrangen, die mit dem Kiel integriert werden, sind aus den Zeichnungen der Folie zu entnehmen. Die Abstände der Schotten und der Inneneinrichtung bestimmen die Position der Bodenwrangen.

Bei der Wrange von Schott VI VII sich der Durchgang auf der Steuerbordseite. Der Ausschnitt wird durch zwei Viertelkreisbögen mit einem geraden Mittelteil begrenzt, der Rand durch Umleimer verstärkt. Dieses Mittelteil liegt 5 cm über der Kieloberkante, so daß die Bodenwrange über den Kiel hinausgreift. Es entsteht zwar eine Stolperkante, aus Gründen der Festigkeit kann aber darauf nicht verzichtet werden. Die Abstände der Bodenwrangen und der Schotten müssen genau eingehalten werden, damit die Sperrholzflächen der Längsteile passen.

Der Kielkasten muß mit großer Sorgfalt gebaut werden, denn er ist ein hochbeanspruchtes Teil der Jacht. Er besteht aus den beiden rechteckigen Seiten wänden, die aus 10 mm Macore Sperrholz geschnitten werden, und den Schmalseiten, die dazwischen gesetzt werden. Letztere werden aus einer Lage 10 mm Marine Sperrholz, der Mittellage aus 20 mm Massivholz und dann wieder einer Lage Sperrholz verleimt. Diese Zwischenteile sind länger als die Seitenflächen und greifen in eine Aussparung des Innenkiels. Bei der hinteren Schmalseite wird das Stirnholz noch mit einer Lage Mahagoni massiv, 1 cm stark, abgedeckt. Der untere Teil wird unterhalb der Koje mit zwei weiteren Lagen 10 mm Macore Sperrholz verstärkt, da dieses Teil bei einer Grundberührung am meisten beansprucht wird.

Zeichnung Nr. 7

Zunächst werden die waagerechten Außenverstärkungen aufgesetzt und zwar für jede Platte zwei Schlingen 20 x 20 mm sowie drei Leisten entlang der unteren Kante der Kastenseiten. Diese Leisten sind 30 mm breit und 20 mm hoch und werden aus Sipo-Mahagoni verleimt. Sie sollen die Leimflächen bei der Verbindung mit dem Innenkiel verbreitem (siehe Folienzeichnung). Da die Seitenteile absolut plan sein müssen, wird auf einem ebenen Tisch verleimt. Dort sollen sie auch aushärten.

Nach den waagerechten werden die senkrechten Versteifungen aufgeleimt und zwar Leisten 20 x 20 mm stark zwischen den Schlingen und darauf die beiden Steifen von 20 mm Stärke und einer Breite von 100 mm am Fuß, welche bis zur Höhe von 1,40 m auf Null auslaufen (siehe Folie). Der Anpreßdruck bei den Steifen wird mit Schrauben von der Sperrholzseite her erreicht. Die Schrauben werden später entfernt, die Löcher ausgedübelt. Die Platten werden nach dem Anleimen der Verstärkungsteile bis zum Aushärten auf den Tisch gelegt und beschwert, damit sie sich nicht verziehen.

Probemontage

Wenn die Teile des Innenkiels, die Bodenwrangen und der Kielkasten wie beschrieben markiert sind, wird behelfsmäßig zusammengebaut.

Auf die vorbereitete Unterplanke werden die Teile der Mittelplanke verlegt. Die integrierten Bodenwrangen werden auf ihre Position auf der Unterplanke gesetzt, mit Schrauben fixiert und die Oberplanke darauf gespannt. Nun wird der halbe Kielkasten aufgesetzt. Mit Zwingen wird der Kasten auf den Innenkiel gespannt. Dann wird sorgfältig kontrolliert, ob alles stimmt und im Wasser ist. Die Innenkanten der Zwischenstücke werden auf der Oberplanke markiert. Dies zeigt die Vorder- und Hinterkante des Kielausschnittes.

Erst wenn alle Teile, Bodenwrangen und Innenkiellagen genau angepaßt und kontrolliert sind, die Ausschnitte für den Kielkasten bzw. Ballastkiel markiert wurden, werden die Ausschnitte für den Hubkiel aus den einzelnen Lagen des Innenkiels gesägt; und zwar eine nach der anderen, da die Stichsäge alle drei auf einmal nicht bewältigt.

Fertigstellen des Kielkastens

An die eine Seitenwand des Kielkastens mit den angeleimten Zwischenstücken werden die vier Eckverstärkungen 20 x 40 mm an der Schmalseite geleimt.

Zeichnung Nr. 8

Es folgt die wichtige Behandlung der Innenflächen des Kielkastens. Das Holz wird zuerst mit Epoxyd getränkt, anschließend werden die Flächen mit Epoxyd, das mit Graphit angedickt ist, beschichtet. Auf die waagerechte Fläche wird das Material dick aufgetragen; es verläuft dann von allein. Das ergibt eine metallartig harte, glatte und gleitfähige Oberfläche. (Kleberand für die zweite Kastenseite freilassen!)

Dann wird der halbseitige Kielkasten wieder auf den Kiel gesetzt und geprüft, ob die Innenkanten mit dem Kielausschnitt genau fluchten. Anschließend wird die Kastenhälfte mit dem Innenkiel verklebt. Vor dem Aufleimen der zweiten Seite wird auch diese mit Graphit beschichtet. Das Epoxyd muß auf beide Seiten der Leimstellen gegeben werden, da ein Teil in das Holz einzieht. Der Anpreßdruck erfolgt durch Schrauben und Zwingen, welche nach dem Aushärten entfernt und die Löcher gedübelt werden.

Bei leichter Grundberührung wird die Fahrt der Jacht sanft gebremst. Wenn man festsitzt, holt man den Kiel auf und ist wieder frei. Beim Auflaufen auf ein festes Hindernis drückt der Ballastkiel am stärksten gegen den unteren hinteren Teil des Kielkastens. - Die Verbindung zum Innenkiel wird daher an dieser Stelle mit einem Winkel und Knie aus Edelstahl verstärkt. Die durchgehenden Nirosta-Schrauben werden beim Innenkiel von unten, beim Kielkasten von innen eingesetzt und verschwinden im U-Sofa. Die Löcher werden bei der Probemontage gebohrt und die Versenkung der Schraubenköpfe ebenfalls.

Fertigung des Schwenkkielkastens für 670 und 760

Der Kasten für die Schwenkkiele ist wesentlich länger, aber flacher. Er dient als Unterbau für den Tisch in der Messe, so daß er nicht stört, da nur wenig von ihm zu sehen ist. Infolge seiner Länge muß die Unterseite dem nach hinten ansteigenden Kiel angepaßt werden. Eine Seite wird so auf den Innenkiel gesetzt, daß die Oberkante waagerecht ist. Hinten muß entsprechend unterlegt werden. Mit einem zwischengehaltenen Holzstückchen wird die Krümmung des Kiels übertragen. Der nach vorn immer breiter werdende Keil wird abgesägt. Nach dem Verputzen wird auf die andere Platte übertragen.

Wie beim Hubkiel dienen drei Leisten der Unterseite als Verstärkung. Sie werden über dem Innenkiel miteinander lamelliert. Das hintere Zwischenstück ist gebogen und wird aus mehreren Lagen Sperrholz bis zur Gesamtdicke von 40 mm lamelliert.