Ruderanlage

Wenn bei einer Jacht der Kiel aufgeholt werden kann, muß es auch beim Ruder möglich sein. Wie bei Jollen und Jollenkreuzern werden sie bei der Lisoletta 670, 760 und 910 am Spiegel aufgehängt. Bei der L 965, 1075 und 1200 wird das Ruder im Rumpf eingebaut. Um den Tiefgang zu verringern, werden diese Ruder teleskopartig aufgeholt. Die Ruder am Spiegel bestehen meist aus zwei Backen aus Sperrholz oder Aluminium mit zwischengesetzten Distanzstücken. Bei den hölzernen Lisoletta — Jachten sollte auch die Ruderanlage aus dem gleichen Material gebaut werden. Die Sperrholzbacken werden mit zwischengesetzten Leisten zu einem flachen Kasten verleimt. Er gibt dem drehbar gelagerten Ruderblatt die Führung. Das gefierte Blatt muß in Richtung der Drehachse der Aufhängung am Spiegel zeigen. Im flachen Wasser läßt es sich nicht vermeiden, das Blatt aufzuholen. Infolge des verlängerten Hebelarmes verstärkt sich der seitliche Druck auf die Backen. Die Befestigung erfolgt mit durchgehenden Hülsenschrauben. Die Konstruktion mit dem schwenkbaren Ruderblatt eignet sich gut für die kleineren Trailerjachten. Bei der L 670 können die Maße der Zeichnungen wie aufgeführt verringert werden. Bei den größeren Hubkieljachten mit Flachkiel wie der Lisoletta 910 gibt es zwei weitere Konstruktionen.

Bei der einen wird das Ruder durchgehend aus einem Stück verleimt. Am Spiegel wird oben und in der Mitte ein 15 mm starkes Edelstahl-Rundmaterial A mit 4 mm starken Stegen B 3 mm breit und 5 mm lang mit einer kleinen Platte verschweißt und am Spiegel angeschraubt. Der untere Beschlag B besteht aus einem 12x5 cm großen und 8 mm starken Edelstahlteil mit einer fluchtenden Bohrung, in der das untere Ende des Rundstahls verschweißt wird.

Am Ruderkopf werden drei Beschläge C mit Hülsenkopfschrauben befestigt. Diese bestehen aus zwei abgewinkelten Fingern mit 4 cm Breite, die sich den Enden zu auf 2,5 cm verjüngen bei einer Länge von 11 cm und 3 mm Stärke. Sie werden mit einem 4 cm langen Rohrstück D 15x20 mm verschweißt. Das Rohr ist aufgeschlitzt mit 4,5 mm Öffnung. Die Beschläge müssen mit der Halterung des Rundstabes in der Höhe versetzt sein, damit sich das Ruder drehen läßt. Die Pinne wird mit zwei Edelstahlflachstücken E am Ruderkopf drehbar befestigt.

Bei der zweiten Konstruktion geht der Ruderkopf unter der Wasserlinie in einen profilierten Teil A über, der wie der Flachkiel 50 cm tief eintaucht. Dieses Ruderteil ist vorbalanciert und verstärkt damit die Ruderwirkung, so daß man mit dem kurzen Ruder steuern kann. Um die Ruderwirkung weiter zu verbessern, wird ein 20 cm breites und 10 mm starkes Blatt B aus seewasserbeständigem Aluminium ausgefahren. Die vordere Kante ist gerundet, die hintere angeschärft. Die Jacht bleibt mit dem ausgefahrenen Alublatt auch bei stärkerer Krängung steuerbar.

Der Ruderkopf wird am Spiegel folgendermaßen gehaltert: Der Kopf wird aus 5 Lagen verleimt. Die beiden äußeren wie auch die Innenlage bestehen aus hochwertigem Sipho-Maha-goni massiv. Die Innenlage ist 12 mm stark und wird aus zwei Teilen zusammengesetzt. An der Leimstelle wird ein Messingrohr D eingesetzt, welches an den Stellen des Spiegelbeschlages unterbrochen ist. Dort wird auch der Ruderkopf entsprechend eingesägt. Die Stirnseiten werden gut mit Epoxyd getränkt, dem Graphit zugesetzt wird.

Der Ruderkopf wird von drei Beschlägen aus Edelstahlblech E umschlossen. Diese sind 3 cm hoch und 1,5 mm stark. In die Rundung werden 5 mm dicke Rundscheiben mit einer 11 mm dicken Bohrung eingeschweißt. Beim Montieren des Ruders wird vor dem Einsetzen der Pinne ein langer, 10 mm starker Dorn F von oben durch die Messingröhrchen im Ruderkopf und die beiderseitigen Beschläge geschoben. Wenn die Konstruktion sorgfältig gebaut wird, kann dies Ruder auch einmal eine Grundberührung aushalten.

Die Sperrholzflächen, an deren Innenseite das Alublatt gleitet, müssen vor dem Zusammenbau mit Epoxyd und Graphitzusatz beschichtet werden. Wenn es trotzdem beim Ausfahren klemmt, kann man von oben durch einen Schlitz nachschieben. Über den Ruderkopf wird oben eine U-förmige Kappe geschraubt, welche der Pinne die Führung gibt.

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