Der Motor

Schon bei der Planung sollte man entscheiden, welcher Motor verwendet werden soll. Die verschiedenen Möglichkeiten:

1.   Außenborder am Spiegel

2.   Außenborder im Schacht: a) Zweitakt - Benzin

b)   Viertakt - Benzin

c)   Diesel

d)   Elektromotor

3.   Stationärer Einbaumotor a)   Saildrive

b) Dieselmotor mit Wellenanlage

Zu 1: Kleinere Jachten können auf Binnenrevieren mit einem kleinen Außenbordmotor, der am Spiegel gehaltert wird, auskommen. Der Antrieb genügt, um bei Flaute noch den Hafen zu erreichen. Für größere Jachten ist dieser Antrieb kaum geeignet; auf manchen Revieren werden sie auch nicht zugelassen. Bei Seegang kann man damit nur schlecht dagegen angehen, da die Schraube austauchen kann und der Motor dann wegen fehlenden Widerstandes hochdreht und dabei Schaden nimmt.

Zu 2a: Als notwendige Leistung für den Antrieb einer Jacht rechnet man 2-4 PS pro Tonne Bruttoverdrängung. Bei der L 760 mit 1,6 to und einem Motor von 5 PS errechnen sich 3,125 PS/to. Das ist ein mittlerer Wert. Damit erreicht aber die L760 bereits Rumpfgeschwindigkeit. Der Außenbordmotor in einem Schacht im Kockpit ist eine gute Lösung, wenn man das richtige Modell wählt. Es kommt darauf an, daß die Abgase bei Leerlauf nicht im Schacht aufsteigen, sondern abgeleitet werden. Dafür gibt es bei einigen Fabrikaten spezielle Vorrichtungen. Für mittlere Trailersailer wie die L 910 genügt ein Zweizylinder-Zweitakter mit 4,6 kW (6 PS). Er wiegt ca. 25 kg und sollte mit einem zweiflügligen Propeller ausgestattet werden, denn dafür ist nur ein 12 cm breiter Ausschnitt beim Innenkiel notwendig, bei einem drei flügeligen dagegen 15-20 cm.

Zu 2b: Seit einiger Zeit gibt es auch Viertakt-Außenbordmotoren. Schon ein Einzylinder mit 3,7 kW = 5 PS genügt für die Lisoletta 670 oder 760. Er wiegt mit 25 kg nicht mehr als der Zweizylinder-Zweitakter. Der Viertakter läuft mit einem Zylinder genau so rund, ist aber leiser. Wegen der Umweltverschmutzung werden auf einigen Revieren wie dem Bodensee nur noch Viertakt-Motoren zugelassen.

Für größere Trailerjachten gibt es auch Zwei- und Vierzylinder-Viertakt-Außenbordmotore. Der leichteste Zweizylinder mit 6,6 kW (9 PS) wiegt 34 kg. Damit erreicht auch eine 10 m Trailerjacht Rumpfgeschwindigkeit. Vierzylinder-Viertaktmotoren leisten bis zu 42 kW (60PS) und wiegen nur 89 kg. Das entspricht dem Gewicht der leichtesten Einzylinder-Die-selantriebe. Diese bringen jedoch nur 1/10 der Leistung.

Zu 2c: Es gibt auch Außenborder mit Dieselmotor, jedoch nur als Einzylinder. Sie dürften im unteren Drehzahlbereich etwas rauh laufen. Der kleinste mit 5,5 kW (7,5 PS) wieg 71 kg.

Benzinmotoren sind zwar explosionssicher, auslaufender Treibstoff kann sich aber mit Luft zu einem explosiven Gemisch verbinden. Dies ist schwerer als Luft und deshalb sind stationär im Rumpf eingebaute Benzinmotoren gefährlich. Bei den Schachtmotoren fließt ein Benzin/Luft-Gemisch durch die Lenzöffnung am Spiegel oder durch den Schacht ab und ist damit ungefährlich.

Ein weiterer Vorzug der Außenborder ist, daß man sie jederzeit ausbauen kann. Über die Winterzeit wird man den Motor frostsicher aufbewahren, und hat keine Probleme mit dem Kühlwasser. Zu einer Reparatur oder bei einer Regatta kann man ihn schnell herausnehmen und auch im Auto transportieren. Für Trailerjachten ist der Außenborder im Schacht besonders geeignet.

Wichtig ist, daß der Ausschnitt des Schachtes verschlossen wird. Wenn die Jacht Fahrt macht, würde sonst Wasser im Schacht hochschießen und stark bremsen. Der untere Abschluß des Schachtes sollte nur einen Durchgang für den Schaft haben. Er kann aus zwei aus Segeltuch gesteppten Lappen bestehen oder aus einer Gummiplatte mit einer Aussparung für den Schaft und einem Längs- und Quereinschnitt. Am besten eignen sich aber zwei dünne Edelstahlbleche mit seitlichen Führungen. Zum Einsetzen des Motors werden sie auseinandergeschoben, danach wieder geschlossen, wobei sie am Schaft fest anliegen.

Zu 2d: Es gibt viele Reviere, auf denen Verbrennungsmotore verboten sind. Die einzige Möglichkeit, bei Flaute am Abend noch rechtzeitig heimzukommen, ist der Elektromotor. Diese Lösung ist gar nicht so schlecht: mit 2 12V-Batterien, die in Serie geschaltet werden, genügt schon eine Leistung von 800 W = 1,1 PS. Es gibt Fabrikate mit verstellbaren Anstellwinkeln der Propellerflügel, die sich mit elektronischer Steuerung den unterschiedlichen Bedingungen automatisch anpassen und damit einen optimalen Wirkungsgrad erreichen. Die Lisoletta 910 erreicht mit diesem Antrieb eine Geschwindigkeit von 3-4 Knoten.

Vorteilhaft sind dabei Lisoletta — Liftkieljachten, denn mit aufgeholtem Kiel ist die Jacht einen Knoten schneller und die Reichweite 25% größer. Für Binnenreviere ist der E — Motor eine echte Alternative. Er läuft fast lautlos, ist umweltfreundlich und leicht ein- und auszubauen. Wenn man beabsichtigt, auch auf Küsten- oder Seerevieren zu segeln, kann der E — Motor gegen einen stärkeren Verbrennungsmotor ausgetauscht werden.

Wenn man nur an den Wochenenden segelt und bei Flaute den E — Motor nutzt, können in der Zwischenzeit die Batterien mit Strom aus Solarzellen aufgeladen werden. Mit einem Stromanschluß im Hafen kann man die Batterien mit Hilfe eines Adapters aufladen.

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Zeichnung Nr. 32

Beim Schachtmotor fließt der Wasserstrom gegen das Ruder und die Jacht ist manövrierfähig, ohne daß sie Fahrt macht. In engen Häfen ist dies oft sehr angenehm. Wenn der Schacht genügend groß ist, kommt man mit einem normalen Schaft aus und spart Gewicht und Geld, und der Motorkopf verschwindet teilweise unter dem Kockpitboden. Um das Geräusch zu dämpfen wird der Schachtmotor mit einer Haube abgedeckt, deren Innenseite mit Schallschluck-Elementen ausgekleidet ist.

Zu 3: Stationärer Einbaumotor: Bei einer Fahrtenjacht kann dieser nur unter dem Kockpit eingebaut werden. Er wird so weit als möglich nach vorn gesetzt und ragt mit der Schwungscheibe aus dem Niedergangsschott hervor.

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Zeichnung Nr. 33

Bei diesem Einbau kann man ihn gut von Hand starten, und die wichtigsten Aggregate, wie Handstartvorrichtung, Lichtmaschine, eventueller Anlasser, Zündspule und Ölpumpe liegen meist an der Frontseite und sind gut zugänglich. Bei den kleineren Motoren ist keine Einstiegsluke im Kockpitboden notwendig. Viele Jachten haben eine Hundekoje, deren Seitenwand zum Motor hin abnehmbar ist, so daß auch die Wellenanlage und Stoffbuchse zugänglich sind.

Die leichtesten Dieselmotoren mit Einzylinder wiegen 75-80 kg bei einer Leistung von 4,4-7,4 kW = 6-10 PS. Eine Drehzahl von etwa 3600 t/m wird mit einem Untersetzungsgetriebe 3:1 auf 1200 t/m an der Schraube reduziert. Im Gegensatz zu den kleinen Propellern der Außenbordmotoren haben diese Motoren eine Schraube mit großem Durchmesser und kleiner Steigung, die einen guten Schub bringen. Die günstigsten Zweizylinder-Dieselmotoren kommen aus Japan. Als stationäre Motoren werden sie in großen Stückzahlen gebaut und sind daher ausgereift. Sie sind gut ausgewuchtet und laufen für einen Dieselmotor recht leise. Sie wiegen etwa 80 kg, mit Wellenanlage und Zubehör etwa 100 kg. Leider haben diese Motoren aber den Nachteil, daß sie sich nicht von Hand anwerfen lassen. Das ist aber bei anderen Motoren möglich, welche als spezielle Bootsmotoren entwickelt wurden.

Für die Lagerung eines Dieselmotors ist ein stabiles Fundament notwendig. Die vier Schwingelemente als Auflage stehen auf zwei 5x8 cm starken Längsträgern aus Sipomahagoni, die mit der Welle genau fluchten müssen. Die Längsträger sind mit zwei Quertraversen und der Bodenwrange von Schott III verzapft und verschraubt. Diese sitzen auf dem Innenkiel auf. Zwischen den Längsträgern wird eine Wanne aus Edelstahl eingesetzt zum Auffangen von eventuell auslaufendem Öl oder Kühlwasser.

Zur Durchführung des Stevenrohres werden zwei Keile auf und unter den Kiel geleimt. Damit diese mit dem Motor fluchten, werden sie aus zwei Halbschalen zusammengesetzt; dann wird das Stevenrohr eingeführt, nachdem auch der Innenkiel durchbohrt wurde. Zu diesem Zweck braucht man sogenannte Löffelbohrer, die man bei einem Zimmermann leihen kann. Damit die Schraube an einem langen, freien Wellenende nicht vibriert, wird sie mit einem Wellenbock gelagert.

Der Einbau eines Motors ist schwierig und erfordert gewisse Fachkenntnisse. Im Handel gibt es komplette Wellenanlagen mit wassergeschmierten Lagern.

Einfacher ist der Einbau eines Saildrive-Antriebes. Das Fundament dafür ist 50x50 cm groß. Der Innenkiel muß auf dieses Maß gebracht werden. Er wird daher auf beiden Seiten durch Anleimer um je 16 cm verbreitert bei einer Länge von 50 cm. Darauf wird eine 10-12 mm starke Sperrholzplatte geleimt. Darauf wird ein Massivholzkeil aufgefüttert, bis die Oberfläche waagerecht ist. Dann wird eine weitere Sperrholzplatte aufgeleimt. Nun wird das Loch für die Durchführung der Wellenanlage ausgesägt und, nachdem die Platte verputzt und lackiert ist, kann der Motor aufgesetzt werden. Um den Motor herausnehmen zu können, ist eine Öffnung im Kockpitboden erforderlich. Der Start per Hand ist schwieriger. Selbstbauer, die über wenig Erfahrung oder keine Hilfe eines Fachmannes verfügen, sollten sich für einen Saildrive entscheiden. Man kann mit diesem Antrieb nicht so gut manövrieren, da die Schraube weit vom Ruder entfernt ist.