Sperrholz

Neue Leime, die gegen Ende der Fünfziger-Jahre entwickelt wurden, haben die Herstellung von wasserbeständigem und sogar kochfestem Sperrholz ermöglicht und den Bootsbau revolutioniert. Als später Epoxyd auf den Markt kam, konnten damit Leimverbindungen von Massiv- und Sperrholz mit einer erstaunlichen Festigkeit hergestellt werden. Bei einem Bruch findet dieser immer im Holz statt, während das Epoxyd unversehrt bleibt. Sogar Klebeverbindungen von Holz mit Kunststoffen und Metallen sind möglich.

Eine fundierte Kenntnis der zur Verwendung kommenden Materialien - sei es der verschiedenartigsten Massivhölzer, als auch der unterschiedlichen Sperrhölzer, sowie der Leime, Tränkungs- und Beschichtungsverfahren und Lackierungstechniken - ist notwendig.

Für die Herstellung von Bootsbausperrholz hat der Germanische Lloyd Vorschriften ausgearbeitet. Er überwacht die Fertigung und stempelt auf Wunsch die kontrollierten Platten, die seinen Vorschriften entsprechen.

Diese werden auf Zugfestigkeit getestet, sowie einer Scher-, Koch- und Aufstechprobe zur Prüfung der Leimfestigkeit bzw. der Güte der Verleimung unterworfen.

Bootsbausperrholz besteht aus mindestens drei kreuzweise miteinander verleimten Furnieren, welche durch aushärtbare Kunstharzleime oder Epoxidkleber miteinander verbunden werden. Der Aufbau der einzelnen Platten soll in Bezug auf die Holzart und Dicke der Lagen symmetrisch sein. Die Platten werden mit einem Druck von 6-20 kg pro cm2 je nach Druckfestigkeit des Holzes in beheizten Pressen verleimt.

Das Angebot an Sperrholz ist vielfältig und teilweise hervorragend zum Bau von Booten geeignet. Entscheidend ist der Verwendungszweck.

Sperrholz, das an der Außenseite von Rumpf, Deck und Aufbauten dem Einfluß von Sonne, Wärme, Wind und besonders Seewasser ausgesetzt ist, muß aus dafür geeigneten hochwertigen Furnieren hergestellt sein.

Nach ihrer Eignung sind vom GL bestimmte Holzarten zugelassen und in zwei Festigkeitsgruppen unterteilt.

Bei der Festigkeitsgruppe FI müssen alle Lagen von der gleichen Holzart sein. Bei der Festigkeitsgruppe FII verschiedene Fumiersorten erlaubt.

Für die Außenseite ist nur Klasse F I angeraten, für den Innenausbau auch Klasse F II.

Durch die Behandlung der Oberflächen mit Epoxy kann eine Schädigung des Holzes durch pflanzliche oder tierische Schädlinge weitgehend vermieden werden, durch Belüftung des Bootskörpers wird die Beständigkeit erhöht.

  • Sperrholz mit einer Teak ― Außenlage von 2,5-3,5 mm wird gern für die Laufdecks verwendet, für den Kajütenboden evtl. mit Zierstreifen.
  • Macore wird bei Trailer-Jachten für den Kielkasten verwendet und beim Innenkiel als Mittellage im Bereich des Kielausschnitts sowie zum Planken.
  • Douca ist ähnlich, wird aber selten angeboten.
  • Sipo wird als Massivholz für den Innenkiel und die Bodenwrangen genommen.
  • Sapeli ist für die Außenlagen der Ausbauplatten geeignet.
  • Eiche kommt wegen des Gewichts und der Gerbsäure weniger in Frage.
  • Tabasco und Switenia, als echtes Mahagoni, sind das Schönste für eine Naturholzbeplankung.
  • Khaja ist nur mäßig dauerhaft. Als Beplankung verwendet, muß es sehr sorgfältig mit Epoxyd getränkt werden.
  • Gabun - auch Okoume genannt ― ist nicht witterungsfest und daher nur für den Innenausbau oder die inneren Sperrholzlagen verwendbar.

Mit Außenlagen aus Sapeli, Kosipo oder Khaja sind Ausbauplatten dekorativ und besonders für sichtbare Flächen geeignet.

Die angegebene Dichte (spez. Gewicht) bezieht sich bei Sperrholz nur auf das Holz und nicht auf den Leim. Je leichter das Holz ist, umso mehr Leim kann es aufsaugen. So steigt die Dichte bei Khaja Sperrholz z. B. von 0,45-0,50 auf 0,6-0,66, bei Macore von 0,64 auf 0,70-0,85.

Macore wäre das ideale Material, es hat aber den Nachteil des hohen Gewichts, der Schleifstaub reizt zudem die Schleimhäute. Dagegen kann man sich mit Atemschutzfilter und Absaugungen helfen.

Die Sichtseite der Sperrholzplatten muß fehlerfrei in der Herstellung und Holzgüte sein. Holzfarbe und Maserung müssen zusammenpassen. Wenn beide Seiten sichtbar sind, wie bei den Aufbauseiten, muß die Qualität 1/1 besonders geordert werden (d. h. erste Qualität auf beiden Seiten).

Unannehmbar sind alle Verleimungsfehler, offene Fugen, Astlöcher, widerspäniges Holz, kurzfaseriger Holzwuchs oder Hirnholz, sperrende Risse in den Furnierlagen, Überlappungen der Furnierlagen an den Stoßstellen, Holzverfärbungen oder Stockstellen.

Die Außenlagen der fertigen Sperrholzplatten dürfen nach dem Schleifen nicht dünner als 1,0 mm sein.

Die Qualität des Sperrholzes hängt vom Leim und den verwendeten Furnieren ab.

Beim Messerfurnier trennt das Messer maschinell eine gerade Holzschicht vom Stamm ab. Dieses Sperrholz ist am hochwertigsten.

Beim Schälfurnier trennt das Messer, das gleichmäßig nachrückt, eine Holzschicht vom rotierenden Stamm ab. Dies Furnier ist nicht so wertvoll, weil es gebogen ist und zum Verleimen flachgedrückt werden muß. Dabei bilden sich feinere oder stärkere Risse. Je weiter das Messer zur Mitte des Stammes vorrückt, umso stärker ist die Krümmung und die Gefahr der Rißbildung. Wenn die Biegung nach oben zeigt, liegen die Spalten auf der Leimseite und füllen sich auf. Wenn das Furnier aber in der Mitte nach unten gebogen wurde, bilden sich die Risse an der Außenseite und es gibt Schwierigkeiten beim Lackieren.

Ein neues Verfahren zur Fumierherstellung ist die Steelog-Methode. Der Stamm wird geviertelt und von dem eingespannten Vierte! trennt das Messer eine Holzschicht nach der anderen ab. Diese Furniere sind schwach gebogen, so daß sich kaum Risse bilden können. Das Messer rückt nicht kontinuierlich nach, sondern setzt wie beim Messerfurnier jedesmal neu an. Das Bild dieser Furniere ist sehr schön. Sie eignen sich besonders für den Innenausbau. Maserung und Farbe wechseln nur in langsamen Übergängen.

Die Platten für den Innenausbau werden z. B. bei 6 mm Stärke folgendermaßen aufgebaut: Drei Innenlagen wegen des Gewichtes und Preises aus Gabun 1,3 mm dick und die beiden Außenlagen Sapeli oder Khaja mit je 1 mm Dicke fertig geschliffen. So kann man für jedes Bauteil die am besten geeignete Sperrholzqualität wählen.

Massivholz

Das gilt auch für das Massivholz: Für die hochbeanspruchten Teile, wie Kiel und Bodenwrangen, eignet sich Sipo am besten. Man kann es in einwandfreier Qualität bei einem guten Holzhändler kaufen. Es muß aber wegen des unterschiedlichen Schwundes auf den Verlauf der Jahresringe geachtet werden. Für den Bootsbau sollten die Baumstämme "riftig" eingeschnitten sein, d. h. die Dielen müssen stehende Jahresringe haben.

Aufgeschnittene Dielen von frisch gefällten Stämmen trocknen sehr langsam und brauchen Jahre, bis man sie verarbeiten kann. Holz bleibt aber hygroskopisch und kann Wasser fast bis zur Sättigung aufnehmen. Es trocknet aber auch wieder und gibt die Feuchtigkeit durch Verdunstung dann erheblich schneller ab als bei der Ersttrocknung. Bei diesen Vorgängen quillt und schwindet Holz.

In Längsrichtung ist der Schwund am geringsten, er beträgt ca. 0,1%. In Querrichtung mit stehenden Jahresringen beträgt der Schwund etwa 1%. In Richtung der Markstrahlen, also etwa diagonal, schwindet das Holz ca. 5%, in Richtung der Jahresringe sogar 10%.

Aus diesen Unterschieden ergibt sich, wie wichtig es ist, beim Innenkiel Holz mit stehenden Jahresringen zu verwenden.

Für die Balkweger, Stringer, Schlingen und Aufleimer, welche in der Hauptsache der Verbindung von zwei Sperrholzflächen dienen, eignet sich am besten Kanadische Red Cedar. Es hat eine Dichte von 0,44, ist in großen Längen erhältlich, astrein und leicht zu bearbeiten, besonders das feinjährige Holz. Es paßt farblich besser zu Mahagoni als andere helle Nadelhölzer. Verleimungen sind von guter Haltbarkeit. Hervorzuheben ist die Wärmeisolation und die gute Resistenz gegen Pilzbefall.

Im Bereich des Ausschnittes für den Hub- oder Schwenkkiel sollte die mittlere Lage des Innenkieles aus hochwertigem Sperrholz - am besten Macore - bestehen. Je weniger das Holz arbeitet, umso kleiner kann man die Toleranz zwischen Ausschnitt und Ballastmetallkiel halten. (Ist der Ausschnitt zu klein, kann der Kiel klemmen, ist er zu groß, kann er klappern.)

Bei den Längsspanten ist der Schwund nicht so gravierend, da er hier am geringsten ist. Die Leisten haben einen kleinen Querschnitt, so daß der Schwund nicht ins Gewicht fällt.

Alle Leisten für Lisoletta-Jachten werden aus einer beidseitig gehobelten Diele Kanadischer Red Cedar geschnitten, in 20 mm, 25 mm oder 30 mm Stärke, abhängig von den verschiedenen Bootsgrößen.