Die Lisoletta-Bauweise für Segelboote

Vorbemerkung

Dies ist der für das Internet aufbereitete Text der Kurzbeschreibung den mein Vater Fritz Marggraff als Einstig für Selbstbauer geschrieben hat. 

Da mein Vater immer Einzelkonstruktionen angefertigt, und die Originalpläne ausgeliefert hat, existieren leider keine vollständigen alten Pläne mehr.

Es wurden verschiedene (ca 10) Selbstbauboote nach dieser Methode gebaut. Die Lisoletta V dieser Webseite ist die zweite Jacht, die nach dieser Methode gebaut wurde.

Die Lisoletta Bauweise ist ein Verfahren zur Herstellung von Bootsrümpfen, das es ermöglicht schnelle Yachten einfach und kostengünstig zu bauen.

Die Lisoletta Bauweise ist gekennzeichnet durch

  • Leimverbindungen von Holz und Epoxyd in Rundspantbauweise.
  • Eine spezielle sehr feste Beplankung mit mit zwei parallelen Lagen Sperrholz.
  • Die Auslegung der Inneneinrichtung als tragendes Skelett um hohe Lebensdauer und Festigkeit zu erreichen.
  • Das Skelett mit der Inneneinrichtung wird vor der Rumpfschale von innen nach aussen gebaut, was genaueres, schnelleres und einfacheres Arbeiten ermöglicht.
  • Integrierte Auftriebsräume, die die Jacht unsinkbar machen.
  • Kombinierbarkeit mit neuen Materialien und Schwenk/Hubkielen und modernen Riggs um ungewöhnliche und schnelle Yachten zu bauen.

Übersicht

Der moderne Jachtbau mit Leimverbindungen von Holz und Epoxyd erlaubt die Herstellung von Bootsrümpfen , welche sich durch hohe Festigkeit bei geringem Gewicht auszeichnen.

Nach der Lisoletta-Bauweise können Rundspantjachten aus Sperrholz gebaut werden, die so leicht sind, daß Segeljachten bis über 10 m Länge getrailert werden können.

Dem Hobbywerker kommt die Lisoletta-Bauweise entgegen. Selbstbauer können mit Holz meist besser umgehen als mit anderen Bootsbaumaterialien. Das notwendige Werkzeug ist oft schon vorhanden. Die Schale wird nicht zuerst hergestellt, welche dann mit schwierigen Paßarbeiten ausgebaut werden muß; man arbeitet umgekehrt zuerst innen, dann außen - so geht es leichter.

Der Profi kann mit der flexiblen Methode Einzelbauten oder kleine Serien sehr speziell auf Kundenwünsche hin realisieren. Er kann damit sehr leistungsfähige Jachte zu günstigen Kosten realisieren.

Sperrholz ist ein ideales Material. Vom Heimwerker manchmal belächelt, ist Bootsbausperrholz in Kombination mit Epoxyd ein High-Tech Werkstoff. Es spaltet nicht und ist maßhaltend. Die Festigkeit von Sperrholz der Qualität AW100 ist wesentlich höher als von Furnieren und die Festigkeit im Verhältnis zum Gewicht ist viel höher als GFK oder Aluminium. Nur mit die sehr teuren Carbon/Kevlar Sandwichkonstruktionen haben ein höheres Verhältnis von Festigkeit zu gewicht.

Die Bauelemente - Schotten, Rahmenspanten, Spiegel, Kielkasten usw. können separat vorfabriziert werden, wie auch Einrichtungsteile wie Kojen, Pantry, Naßzelle und Schränke. Dazu ist keine große Halle nötig, es genügt ein kleiner Raum oder eine beheizbare Garage.


Bau des Skelettes und der Inneneinrichtung

Wer die folgenden Arbeiten nicht selbst machen kann oder will, sollte eine Werft damit beauftragen. Sie übernimmt den Zusammenbau, das Planken und den Kajütaufbau.

Entscheidend für den Erfolg sind die sogenannten Schnürbodenarbeiten. Darunter versteht man das Aufreißen des Rumpfes in voller Größe. Diese Arbeit hat jedoch der Konstrukteur übernommen und die Jacht im Maßstab 1:1 auf eine durchsichtige Folie millimetergenau aufgezeichnet. Alle Linien der Schotten sind mit unterschiedlichen Farben dargestellt. Sie können anhand eines Schnittmusterbogens, auf dem die bestmögliche Ausnutzung der Sperrholzplatten ersichtlich ist, mittels der Folie auf die Sperrholzplatten übertragen werden. Mit der Stichsäge werden die Teile ausgeschnitten und auf Mallkante (d.h. mit Überstand) gehobelt. Man kann nun die Schotten und alle Einzelteile soweit verleimen, daß man Bauteile erhält, die sich einfacher zusammenmontieren lassen.

Zur Montage wird die Helling zuerst aufgestellt. Das ist ein Balken in der Länge des Bootes, unter den Vierkanthölzer geschraubt werden, die einen festen Stand ergeben.

Auf der Helling wird der Innenkiel aus mehreren Lagen Massivholz verleimt. Der Sprung wird durch untergelegte Keile erreicht. Auf den Innenkiel wird zuerst der Kielkasten, dann nach vom und hinten ein Schott nach dem anderen gestellt. Dabei werden die Bodenwrangen eingepaßt sowie Stringer, Schlingen und Balkweger. Nun wird alles durchgemessen und ausgerichtet. Wenn alles stimmt, wird ein Schott nach dem andem mit den Längsverbänden verleimt. Dann folgen die übrigen Teile: Kojen, Pantry, Naßzelle, Schränke, Backskisten, Borde und Schwalbennester. Sie verstärken mit ihren senkrechten und waagerechten Flächen die tragende Konstruktion zu einem festen und steifen Verband. Es entstehen Doppel-T-Träger und Kastenkörper, welche vom Steven bis zum Spiegel reichen. Sie dienen gleichzeitig als Sicherheitsräume, welche die Jachten unsinkbar machen.

Die Hohlräume werden nicht ausgeschäumt, sondern mit Styroporchips gefüllt. Diese können durch Inspektionsluken im Winterlager herausgenommen werden, so daß man die Sicherheitsräume belüften und kontrollieren kann. In einige der Räume werden Stauräume, die Wassertanks und die Batterien eingebaut.

Durch die Quer- und Längsverbände wird die Außenhaut in kleine Flächen aufgeteilt, deren Festigkeit berechenbar ist. Die Größe ist durch die Bauvorschrift des Germanischen Lloyd festgelegt.

Hier ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Baumethoden. Da das Skelett und die Inneneinrichtung vor der Schale gebaut werden sind sie von allen Seiten gut zugänglich, und es ist einfach den Innenausbau jetzt schon weitgehend fertig zu stellen. Der Schacht für den Außenbordmotor oder die Fundamente für den stationären Motor werden eingebaut, Tanks, Batteriekasten, Leitungen, Kocher, WC, Wasch- und Spülbecken werden montiert. Für alle Beschläge, die durchgebolzt werden, werden gleich die Verstärkungen eingebaut. Alle Teile werden mit Epoxyd als Grundierung getränkt. Die exakte horizontale Aufstellung der Helling erlaubt es alle Teile mit der Wasserwaage auszurichten, was viel Zeit spart und hohe Genauigkeit erleichtert. Diese Genauigkeit kommt wiederum der festigkeit und Lebensdauer zu Gute.

Das Skelett muss zum Beplanken nun umgedreht werden. Zum Glück ist es so leicht, daß selbst 14m-Jachten von wenigen Personen gedreht werden können.


Beplankung

Das Beplanken beginnt in der Schiftsmitte mit der ersten Unterplanke. Sie wird diagonal, etwa parallel zum Steven, angebracht. Dann wird die schmalere Oberplanke aufgespannt und zwar so, daß auf jeder Seite ein Streifen von etwa 3 cm frei bleibt. Sie wird mit der Unterplanke verleimt. Es ergeben sich nun vier Arbeitsstellen, da man auf jeder Seite nach vorn und hinten planken kann. Es wird jeweils paarweise geplankt, d.h. es wird eine Ober- und Unterplanke gleichzeitig verleimt. Das genaue Vorgehen ist in der Baubeschreibung, welche mit den Zeichnungen geliefert wird, exakt dargestellt.

Die Ober- und Unterplanken verdecken wechselseitig den Stoß, daraus ergibt sich eine hohe Festigkeit und absolute Wasserundurchlässigkeit. Durch das Planken parallel, aber seitlich versetzt, läßt sich mit Zwingen und Leimklammem ein sicherer Anpreßdruck erreichen und die Verbindung an den schmalen Kanten ist einwandfrei. Ober- und Unterplanke führen sich gegenseitig, so ergibt sich ein guter Strak.

Finish

Wer diese Arbeiten in einer Werft durchführen ließ, kann nun selbst weiterbauen. Mit Malerarbeiten, dem Einbau der Elektrik und der Leitungen, Motormontage, Anbringen der Beschläge und des Riggs sowie des Ruders, auch das eventuelle Verlegen eines Stabdecks gibt genug zu tun.


Selbstbaupläne

Aber auch der komplette Selbstbau einer Lisoletta-Jacht bereitet keine großen Schwierigkeiten, wie schon viele stolze Besitzer selbstgebauter Lisoletta-Jachten beweisen.

Es existiert noch eine umfangreiche und detaillierte Baubeschreibung mit Fotos und Zeichnungen, Sie wird mit den Konstruktionsplänen geliefert, einschließlich der Kielkonstruktion.