Beplankung

Zum Planken wird der Verband umgedreht, indem man ihn über die Seite abrollt. Damit sich die Last verteilt, werden alte Matratzen untergelegt. Mit einigen Helfern ist das Umdrehen nicht schwierig.

Ein Mann kann das auch allein bewältigen, wenn die Decke der Werkstatt eine Last von 200 kg tragen kann. Über dem Boot, vor und hinter dem Kajütaufbau, werden an der Decke zwei Blöcke befestigt, um den Verband zwei Leinen geschlungen und durch die Blöcke geführt. Dann wird mit einem Wagenheber erst die eine Seite angehoben und die Leine straff gespannt und dann die andere Seite, so daß das Gerüst über der Helling schwebt. Diese wird zur Seite geschoben und der Verband vorsichtig um 180° gedreht, was nun ohne große Kraftanstrengung möglich ist.

Das Gerüst wird auf vier Böcke abgesetzt, zwei kleinere vorn, zwei größere hinten, damit das Schiff im Wasser steht. Böcke und Verband werden mit Latten verbunden und diese miteinander verschraubt, damit alles einen festen Stand hat.

Das Ausstraken folgt als nächstes. Dabei verwendet man Straklatten und Sperrholzstreifen, die sowohl in der Waagerechten und Senkrechten als auch in beiden diagonalen Richtungen an den Verband gelegt werden. Am besten macht man das zu zweit. Wenn man allein ist, wird ein Ende mit einer Leimklammer befestigt.

Dies erfordert große Sorgfalt, denn ein sauberer Strak ist die Voraussetzung für eine feste Verbindung der Planken mit dem Verband, die der Schale ihre Steifigkeit gibt und unschöne Beulen und Dellen verhindert.

Es ist ein Vorzug der Lisoletta-Bauweise, daß man nicht wie beim Ausbau einer fertigen Schale alle Bauteile mit einer Schräge an die Außenschale anpassen muß, sondern die Schmiegen am Kiel, Stringern und Spanten anhobelt.

Wenn man an der einen oder anderen Stelle zuviel abgehobelt hat, kann man mit einem aufgeleimten Furnierstreifen den Fehler ausgleichen.

Wenn alles strakt, wird an der Außenseite des Innenkiels die Mittellinie angezeichnet und dann kann mit dem Planken begonnen werden.

Die Außenhaut wird aus Sperrholzstreifen in zwei Lagen verleimt, die in gleicher Richtung laufen, etwa parallel zum Steven, also diagonal über den Verband.

Es wird eine Unter- und eine Oberplanke gleichzeitig überlappend geklebt. Sie geben sich dadurch auch die Führung.

Als günstigste Plankenbreite für die größeren Jachten (ab L 910) hat sich eine solche von 15,3 cm herausgestellt. Das ergibt bei einer Plattengröße von 2,50 x 1,25 m acht Streifen.

Bei der L 760 sollte die 125 cm breite Platte in 9 Streifen aufgeschnitten werden. Das ergibt unter Berücksichtigung des Schnittverlustes 13,6 cm breite Streifen.

Bei der L 670 wird empfohlen, die Platte in 10 Streifen aufzuschneiden, mit einer Plankenbreite von 12,2 cm. Dies ist günstiger wegen der stärkeren Krümmung des Rumpfes; man kommt auch mit kleineren Zwingen aus ...

Man sollte nicht alle Platten, welche für die Planken bestimmt sind, auf einmal zuschneiden. Man kann die erforderlichen Längen der Planken messen, nachdem die Stringer beim Zusammenbau des Gerüstes eingezogen sind. Die übrigbleibenden Stücke werden abgesägt und für die Klaspen der Stringer und andere Bauteile, wie z.B. Schubladen, verwendet.

Die Sperrholzstreifen werden dreimal mit Epoxyd an der späteren Innenseite getränkt. Wenn sie ausgehärtet sind, muß man sie an den Kontaktstellen anschleifen.

Da die erste Unterplanke 3 cm breiter als die folgenden ist (15,3+3 = 18,3 cm), und die Oberplanke 3 cm schmaler (15,3-3 = 12,3), bleiben auf beiden Seiten der Unterplanke je 3 cm breite Streifen frei (18,3-12,3 = 6 cm). Beide enden 3 cm vor der Kielmitte wie alle folgenden Planken auf dieser Seite.

Die nächste Unterplanke wird mit 2 cm Abstand bei Stringer 3 aufgespannt und danach bei Stringer 2 und 4,1 und 5, zuletzt am Balkweger und Innenkiel. Behelfsmäßig wird die Planke mit Leimklammern fixiert und mit Kreuzschlitzschrauben 3 x 25, welche durch das Sperrholz in die Stringer gedreht werden, befestigt. Mit einem Zirkel, der auf 2 cm Distanz eingestellt ist, oder einem Streichmaß, das man selbst anfertigt, wird eine Linie 2 cm parallel zur Kante der ersten Planke aufgezeichnet und

§ leichzeitig auf der Innenseite die Position der tringer, Balkweger und des Innenkiels.

Der Spalt zwischen den beiden Planken verengt sich nach oben und unten infolge der Rumpfform und die Planke wird schmaler wie bei einer Apfelsinenschale. Danach wird die Planke abgenommen und die markierten Keile oben und unten abgesägt und mit dem Hobel glattgeputzt. Dann wird die Planke wieder aufgespannt. Mit der Oberplanke wird gleichermaßen verfahren.

Die angezeichneten Kontaktstellen der Unterplanke werden vor dem Angeben des Leimes angeschliffen. Auf die Stirnseiten der ersten und zweiten Unterplanke wird ebenfalls Leim

fegeben und dann wird die Planke aufgespannt. Durch die bereits vorhandenen Löcher wer-en Schrauben gedreht, welche schräg angesetzt werden. Sie pressen die Planken dann an den Stirnseiten gegeneinander. Die Schraube an der inneren Plankenseite wird später durch die Oberplanke abgedeckt und muß daher aus Edelstahl oder Messing sein, da sie im Holz verbleibt. Die äußere wird nach dem Aushärten herausgedreht. Zum Auftragen des Epoxyd-klebers auf die Oberplanke verwendet man billige Einwegpinsel. Wenn man sie sofort nach dem Gebrauch ausdrückt und in ein Gefäß mit Verdünnung gibt, kann man sie mehrmals verwenden.

An den Stoß der ersten Planke wird ebenfalls Leim angegeben. Die Oberplanke wird gleichfalls mit Schrauben befestigt. Wenn dabei kein Leim am Stoß austritt, müssen die beiden Planken stärker zusammengepreßt werden. Bei den Stringern werden kleine Klötzer auf die Unterplanke geschraubt. Zwischen Klotz und Planke wird nun ein Keil getrieben, bis der angegebene Leim austritt.

Um die Planken flächig aufeinander zu pressen, werden Beilagen zu Hilfe genommen. Sie sollen so lang wie die Planken sein, etwa 4 cm breit und 4-6 mm stark, je nach der Biegsamkeit des verwendeten Holzes. Damit sie nicht versehentlich anleimen, werden die Beilagen mit Klebestreifen geschützt, wie man sie beim Verpacken verwendet. Die langen Beilagen werden etwa 5 mm neben dem Stoß auf die Platten gespannt und mit Zwingen angepreßt.

beilagen

Zeichnung Nr. 23

Hierzu verwendet man kurze Beilagen - eine für die Innenseite, die andere bei der Außenseite. Die innere muß ein wenig biegsam sein, damit sie sich der Planke anschmiegt. Zur leichteren Handhabung wird an die Mitte der Beilage der Drehteller der Zwinge geklebt. Am besten geht es bei der Kunststoffkappe, welche den neuen Zwingen beigegeben werden. Die obere Beilage soll sich nicht durchbiegen und liegt mit den Enden auf den langen Beilagen auf. Mit dem Anspannen der Zwingen wird auf beide Beilagen starker Druck ausgeübt, der sich infolge der schwach gekrümmten Form des Rumpfes auf die Plankenmitte überträgt. Die Zwingen müssen im Abstand von höchstens 12 cm angesetzt werden, damit sich die Kanten nicht aufbeulen.

Man muß nun warten, bis der Epoxydkleber ausgehärtet ist (3-4 Std. bei 20°C, siehe auch Gebrauchsanweisung). Dann werden die beiden nächsten Planken gerichtet. Zuerst wird die 15,3 cm breite Unterplanke im Abstand von 2 cm zur bereits verleimten aufgespannt. Man beginnt bei Stringer 3 und geht dann zu Stringer 2 u. 4 und dann zu 1 u. 5 bis zum Kiel und Balkweger. Der Sperrholzstreifen muß mit seiner Mitte auf den Längsverbänden aufliegen -er darf keinesfalls "beulen" oder in eine ungewollte Lage gezwungen werden.

Bild 24

Infolge der Bootsform wird sich der Abstand zu den ersten Planken nach den Enden zu verringern - in der Rumpfmitte mehr als an Bug und Heck.

Mit einem Zirkel oder Streichmaß wird der Abstand von 2 cm auf der neuen Planke abgetragen, dann wird sie abgenommen, die beiden Keile oben und unten abgesägt, glattgehobelt und dann nochmals aufgespannt. Wenn sie paßt, wird sie mit Schrauben in Kiel, Stringer und Balkweger fixiert, damit man über der Unterplanke in gleicher Weise die Oberplanke vorbereiten kann. Da die Außenhaut in ihrer ganzen Länge leicht gekrümmt ist, wird durch den Druck der Zwingen auf die Beilagen automatisch auch die Mitte der Planke angepreßt.

Anstelle des Anpassens mit dem Zirkel kann geschickter mit einer leichten Oberfräse gearbeitet werden. Sie ist nicht teuer, spart nicht nur Arbeit, sondern ist auch genauer. Mit Anschlag von 2 cm fährt man an der vorhergehenden Planke von oben nach unten entlang und die Distanz stimmt.

Wichtig ist nun, darauf zu achten, daß die Stirnseiten der Planken gut mit Epoxyd getränkt sind und die beiden Plankenstöße fest aneinander liegen! Es dürfen keinesfalls Fugen bleiben, da dadurch an diesen Stellen die Außenhaut nur die halbe Stärke hätte. Notfalls die Ritzen mit Epoxyd gut ausfüllen, solange die Kanten noch nicht ausgehärtet sind!

Wenn drei oder vier Doppelplanken auf der einen Rumpfseite verleimt sind, wird auf der anderen Seite angefangen. Auf dem Innenkiel müssen die Plankenenden beider Seiten sauber aufeinander stoßen.

Der Unterwasserpaß sollte schon jetzt markiert werden. Bei der Lisoletta 910 liegt der Stringer 3 10 cm über der CWL. Man markiert diese Linie auf den Planken. Da die Punkte beim Schleifen verschwinden, wird die Strecke vom Balkweger bis zu dieser Linie gemessen und in einer Tabelle festgehalten. Nach vorn wird die Linie bis zum Steven 2 cm hochgezogen.

 

Planken mit drei Lagen

Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Zuerst wurde die Vakuum-Technik erfunden, welche für den Amateur nicht ganz leicht ist, und zu der man auch einen Kompressor braucht. Inzwischen wurden elektrische Tacker entwickelt, welche auch dem Selbstbauer das folgende Verfahren ermöglichen:

Für die dritte Lage nimmt man hochwertige echte Mahagonifurniere wie Tabasko oder Swite-nia, welche nicht ganz leicht zu bekommen sind. Ersatzweise kann man Sipo-Mahagoni einsetzen. Es werden Streifen von etwa 4 cm Breite und 4 mm Dicke verwendet. Bei den kleineren Jachten, wie der 670, 760 und 910 kommen auch Messerfurniere infrage, die es in einer Stärke bis zu 2,5 mm gibt und die natürlich billiger sind. Wenn man den Stoß nicht sehen soll, muß man mehrere Lagen Schäften. Die Mahagoni-Dielen werden beiderseitig abgerichtet und danach 4 cm Streifen abgesägt. Sie durchlaufen die Dicktenhobelmaschine und werden dann geschäftet. Anschließend werden 4 mm starke Streifen mit einer Kreissäge abgetrennt. Damit die Furnierlagen parallel zur Wasserlinie verlaufen, muß man sie einem Ende zu verjüngen. Es werden etwa 20 Furnierlagen aufeinander gespannt und mit dem Hobel abgerichtet. Mit dem Planken wird an der Freibordkante begonnen. Soweit Zwingen reichen, sollte man damit anpressen. Falls nicht genügend vorhanden sind, muß man Krampen ein schießen. Damit der Anpreßdruck sich nicht markiert, wird ein dünner Sperrholzstreifen eingelegt. So folgt von unten nach oben eine Planke nach der anderen. Nach dem Aushärten der Leimung lassen sich die Krampen leicht mit einer Zange entfernen und die kleinen Löcher schließen sich, wenn man das Furnier mehrmals mit heißem Wasser netzt.

In der vieltausendjährigen Entwicklung des Bootsbaues hat es noch nie Boote von dieser Schönheit gegeben, wenn die Beplankung naturfarben lackiert wird. Es ist sogar möglich, den Rumpf mit Epoxyd zu beschichten und eine unsichtbare Lage Glasseidengewebe einzulegen, welche gegen Scheuern an Dickdalben oder leichteren Beschädigungen schützt. Wenn man diese Jachten sorgfältig pflegt, ist ein Ende ihrer Lebensdauer nicht abzusehen!

Wegen der Empfindlichkeit von Epoxyd gegen UV-Strahlen erfolgt die Endlackierung mit 2-Komponenten-Polyuretanlack. Er wird etwa sechsmal aufgespritzt.

Natürlich kann man einen mit drei Lagen geplankten Rumpf auch farbig lackieren. Es wäre aber schade,das schöne Mahagoni nicht naturfarben zu belassen.. Keine Kunststoff-Serienjacht kann mit diesen Eigenbauten Schritt halten und die Gefahr von Osmose gibt es auch nicht.

Der Aufbau der Beplankung mit drei Lagen:

Bootslänge

Innenlage (Sperrh.)

Mittellage (Sperrh.)

Außenlage (Furnier)

670

3 mm Khaja

4 mm Gabun

2,5 mm, Messerfurnier

760

3 mm Khaja

4 mm Gabun

2,5 mm, Messerfurnier

910

3 mm Khaja

4 mm Gabun

2,5 mm, Messerfurnier

965

4 mm Khaja

4 mm Gabun

2,5 mm, Messerfurnier

oder

4 mm Khaja

4 mm Gabun

4,0 mm, Sägefurnier

1075

4 mm Khaja

6 mm Gabun

4,0 mm, Sägefurnier

oder

5 mm Khaja

5 mm Khaja

4,0 mm, Sägefurnier

1200

6 mm Khaja

6 mm Khaja

4,0 mm, Sägefurnier

oder

6 mm Macore

6 mm Macore

4,0 mm, Sägefurnier

Beim Segeln am Wind in hartem Wetter und hohem Seegang wird das Vorschiff besonders beansprucht. Dieser Belastung ist schon bei der Innenkonstruktion Rechnung getragen, indem die Schotten vor dem Mast enger gesetzt wurden. Z.B. anstelle von 95 cm wurde der Abstand auf 65 cm verringert. Gleichzeitig wird auch die Beplankung verstärkt und anstelle einer Mittellage Gabun wird Khaja-Sperrholz eingesetzt. Anstelle von 6 mm Macore wird als Mittellage 8 mm Sperrholz verwendet. Man muß auch berücksichtigen, daß der Eierschaleneffekt nicht so stark ist wegen der schwächeren Krümmung der Außenhaut beim Vorschiff.

Sobald 2-3 m geplankt sind, kann man nebenher mit dem Putzen beginnen.

Dazu nimmt man 80 cm lange Sperrholzstreifen mit 2 aufgeschraubten Handgriffen, auf die Schleifbänder gespannt werden. Diese kauft man in Rollen. Deren Breite bestimmt die Breite des Schleifbretts.

Beim Schleifen zeichnen sich eventuelle Beulen und Dellen deutlich ab. Wenn die Unebenheiten stark sind, kann man auch vorsichtig hobeln, jedoch darf man nicht mehr als 1/2 mm wegnehmen, an kleinen Stellen, etwa bei darunterliegenden Schotten, höchstens soweit, bis der Leim durchzuscheinen beginnt.

Die Beplankung wird mit dünnflüssigem Epoxyd getränkt. Die Harzmischung wird bei kleinen Stellen mit dem Pinsel, bei größeren Flächen mit Rollen aufgetragen. Die erste Schicht sollte gut 24 Stunden aushärten, bevor sie leicht mit Sandpapier geschliffen wird, um das obenliegende Korn zu entfernen. Dann fließen die folgenden Aufträge besser.

Die kleinen Trailerjachten können in flachen Buchten auf den Strand gezogen werden. Damit hierbei wie auch beim Trailern kein Abrieb entsteht, sollte man das Unterwasserschiff bis zum Stringer 3 beschichten. Eine Lage Glasseidengewebe von 200 g pro qm wird in Epoxyd-Mischung eingelegt und mit einem Scheibenroller sowie mit der Hand, welche durch Gummihandschuhe geschützt ist, und einem Pinsel aufgebracht.

Neuerdings gibt es Beschichtungen mit Epoxyd und Glasseidengewebe, die durchsichtig sind und die Schönheit des edlen Mahagoni-Holzes sichtbar werden lassen.

Es ist vorteilhaft, in dieser Bauphase die Lackierung zu vollenden und den Unterwasserpaß anzubringen, sofern die eingangs erwähnten Markierungen vorhanden sind. Sie werden mit einer langen Latte strakend verbunden. Oberhalb und unterhalb des Unterwasserpasses wird die breite Linie mit Klebestreifen abgedeckt. Sie müssen fest aufliegen, damit sie nicht von Farbe unterlaufen werden.

Die Zierstreifen unter der Scheuerleiste können sowohl schon jetzt als auch später nach dem Umdrehen angebracht werden. Gut ist es, wenn man sie zuerst mit Klebestreifen markiert und sich die Bordwand aus möglichst großer Entfernung anschaut. Der obere Zierstreifen sollte doppelt so breit sein wie der untere, etwa so: Unterkannte Scheuerleiste - Oberkante Zierstreifen 10 cm, Streifenbreite 8cm; Zwischenraum zwischen oberem und unterem Streifen 6 cm, unterer Streifen 4 cm breit.