Die Baupläne und der Aufriss

Zum Bau einer Segeljacht, an der man Freude haben will, braucht man Pläne und Zeichnungen, die auf exakten Berechnungen beruhen.

Im allgemeinen sind beim Bootsbau viele Linien mit Ausnahme der Konstruktionswasserlinie und der Mittellinie des Rumpfes gekrümmt.

Bei der Lisoletta-Bauweise liegen die Linien beim Ausbau und der Inneneinrichtung von wenigen Ausnahmen abgesehen immer parallel zur Mittschiffslinie oder Wasserlinie, in vielen Fällen sogar zu beiden. Die Kurven zur Außenhaut Straken beim Zusammenbau von allein. Das erleichtert dem Amateur die Arbeit ganz wesentlich.

Aus den Plänen müssen alle Informationen ersichtlich sein, die für den Bau gebraucht werden. Im allgemeinen werden vom Konstrukteur die Zeichnungen im Maßstab 1 : 10 geliefert. Der Rumpf wird konstruktiv durch ein System von Schnittebenen geteilt, welche die nur schwer faßbare Form unmißverständlich darstellen und in jedem gewünschten Maßstab gezeichnet werden können.

spantenriss

Zeichnung 1

In der Längsrichtung sind dies die horizontalen Wasserlinien, die diagonalen Senten und die senkrechten Vertikalen. In der Querrichtung ist es der Kreuz- oder Spantriß. Bei den Konstruktionsarbeiten wird die Konstruktionswasserlinie, CWL genannt, in eine gerade Zahl von Sektionen aufgeteilt. Meist sind es 10. Sie sind die Grundlage aller Berechnungen und werden mit arabischen Zahlen bezeichnet. Sie dürfen nicht mit den Bauspanten oder Schotten verwechselt werden, welche mit römischen Ziffern gekennzeichnet sind

Für die Bauausführung sind die Zeichnungen im Maßstab 1 : 10 zu ungenau. Bei einer Werft werden alle Linien in voller Größe, also im Maßstab 1 : 1, auf dem "Schnürboden" aufgerissen. Dazu liefert der Konstrukteur eine Aufmaßtabelle, in der die Schnittpunkte der Liniensysteme mit der Außenhaut angegeben sind. Sie werden in der Waagerechten immer von der Mittschiffslinie aus gemessen, in der Senkrechten von der CWL aus.

Die aufgerissenen Linien müssen millimetergenau Straken.

straken

Zeichnung 2

Für den Hobby-Bauer sind diese Arbeiten schwierig. Deshalb kann der Spantriß im Maßstab 1 : 1 auf durchsichtigen Folien bezogen werden. Auf einem Blatt sind die vorderen Schotten gezeichnet, auf einem anderen die hinteren mit dem Spiegel. Um Verwechslungen zu vermeiden, ist jedes Schott in einer anderen Farbe gezeichnet. Da die Außenkonturen auf beiden Seiten gleich sind, ist jeweils nur ein Halbschott dargestellt. Sie enthalten alle für den Bau wichtigen Details.

Ein zweiter Spantriß zeigt alle Spanten im Maßstab 1 : 10. Außerdem ist jedes Schott für sich auf einem Blatt gezeichnet. Wenn die Einrichtung auf beiden Seiten unterschiedlich ist, werden auch beide Seiten ausgeführt.

In Verbindung mit den Längsschnitten, aus denen alle Konturen wie Kielsprung, Freibord, Bug und Heck und die Aufbauten ersichtlich sind, kann man sich ein gutes Bild von der Jacht machen.

Hilfreich ist es auch, sich zunächst ein Modell im Maßstab 1 : 10 zu basteln.

Die erste Arbeit ist das Übertragen der Zeichnungen auf die Sperrholzplatten.

Dazu braucht man:

  • einen ebenen Tisch, mindestens in den Abmessungen der halben Schiffsbreite mal Rumpfhöhe (einschließlich der Kajütaufbauten),
  • Straklatten (dünne astfreie Latten in den Querschnitten 2 x 3, 3 x 4, 4 x 6, 6 x 8 mm). Die dünnen etwa 2,5 m lang, die stärkeren ca. 5 m.

Auf den Tisch wird eine Ausbauplatte gelegt, darauf die Folie ausgerollt. Damit sie nicht verrutscht, wird sie an der Schmalseite mit Leimklammem und Gewichten fixiert.

Beachten muß man, daß die Außenkontur auf der Folie die Innenseite der Beplankung darstellt. Die wichtige Innenkontur der Außenhaut - Außenkante der Schotten nennt man Mallkante. Zur Information ist teilweise auch die Außenseite vermerkt.

Alle Kreuzungspunkte, bei längeren Strecken auch Zwischenmarkierungen, werden mit einer spitzen Nadel durch die Folie auf dem Sperrholz markiert. Die Folie wird vorsichtig zurückgerollt, damit man sie bei Bedarf zur Kontrolle wieder ausrollen kann, ohne daß sie verrutscht ist. Niemals knicken oder falten! Die markierten Punkte werden mit Hilfe der Straklatten miteinander verbunden.

Damit das Sperrholz mit geringstem Verschnitt ausgenutzt wird, informieren die Schnittmusterbogen, welche Bauteile in welcher Lage auf die jeweiligen Platten gehören. Vor dem Ausschneiden sollte man alle Bauteile aufzeichnen, um Fehler noch rechtzeitig korrigieren zu können.

Die kleineren Schotten, wie I II, aus einer Platte zu schneiden, die größeren in Hälften, die später in der Mitte gestoßen werden, oder wie Schott VI an den Kielkasten angepaßt.

Man muß darauf achten, daß alle Verstärkungen der Schotten und die Anschläge und Aufleimer für die Längsbauteile auf das Sperrholz übertragen werden.

Nach dem Ausschneiden werden die Sperrholzteile genau auf Kante gehobelt.

Da sich einige Längsbauteile über mehrere Schotten erstrecken, müssen die Markierungen für die Anschläge auf der Vorder- und Rückseite vorhanden sein und zwar in gleicher Höhe und Entfernung von der Mittschiffslinie.

Jedes Schott wird deshalb auch umgedreht auf den Tisch gelegt und die notwendigen Punkte von der Folie darauf übertragen.